// RiFFi zur Person DIE WELT ERGREIFEN
UM SIE ZU BEGREIFEN.
Wer sich RIFFI nähert,
findet einen Menschen fast ohne persönliche Geschichte.
Denn Mensch sein bedeutet für ihn,
sich nicht festlegen zu lassen
- auch nicht auf seine Biographie.
So scheint er für unser Gespräch geradewegs
vom Himmel gefallen zu sein -
reine Präsenz.
Er ist nichts als der,der er im Augenblick ist.
Verwirrend wiedersprüchlich
und vielleicht gerade dadurch doch immer echt RIFFI.
Wie seine Plastiken.
Hölzern-steinern-knöchern-metallische Wesen,
die weder auf eine -Wahrheit- verweisen
noch diese gar zu beweisen suchen.
Sie sind einfach da - wie ihr Schöpfer.
Trotzdem ergreift RIFFI mit seiner Kunst die Welt in Einzelheiten,um sie zu begreifen.
Das ist nur scheinbar ein Wiederspruch,
denn mit seinen Werken begibt er sich nicht auf Sinnsuche.
Er hat kein Konzept,keine Botschaft,
kein Sendebewustsein.
Frage eins: Woraus ist die Welt gebaut?
Wie ein staunendes Kind lässt sich RIFFI faszinieren von der morbiden Aura eines ausgebleichten Knochens,
von der sanften Rundung eines abgeschabten Stückes Holz,vom regenbogenartigen Farbenspiel angelaufenen Metalls.
Es ist das nicht mehr jungfräuliche,
schon von der Welt berührte und verwandelte Material,das den Künstler reizt.
Logisch,dass alle seine Skulpturen
und auch seine Ohrringe,Armbaender und Ketten
einzig und allein aus -objets trouves-bestehen.
Aus Fundstücken vom Schrottplatz,
vom Flohmarkt oder von Spaziergängen,
die er zusammenklebt,- schraubt oder steckt.
Aus -Abfall- setzt sich auch der Kleber zusammen,mit dem er die komplizierten Verbindungen von Knochen,Holz,Horn und Metall herstellt:
Das Knochenmehl,die Metall-oder Sägespäne,
die beim Bearbeiten der Fundstücke entstehen,
vermischt er mit Leim.
So entstehen die für RIFFIs Arbeiten so typischen -Übergangszonen-,
die die Addition heterogener Materialien
dennoch wie aus einem Guss wirken lassen.
- Frage zwei -
Wie funktioniert die Welt?
Eine mögliche Antwort;mechanisch.
Viele von RIFFIs Objekten -funktionieren- irgendwie.
Zum einen ganz konkret als Gebrauchskunst, etwa als Lampen.
Zum anderen aber auch methaphorisch
für die Beweglichkeit der Welt:
als -Sachen zum Spielen-,
wie RIFFI sie selbst nennt.
Viele seiner Skulpturen haben bewegliche Teile.
Folgt Frage drei -
Wieviele Dimensionen hat die Welt?
RIFFI ist auf vier gekommen.
Bis jetzt.
Zwei waren ihm nicht genug.
Die Malerei hat er nach einem Jahr wieder aufgegeben.
Auch,weil er gerne in einem Zug arbeitet,
seine Stimmung einfängt.
Und die kann sich schnell wieder ändern;
da kann und will er nicht warten
bis die Ölfarbe getrocknet ist.
Seine Plastiken sind nicht nur dreidimensional,
sondern erschliessen sich mit der Bewegung
die vierte Dimension.
RIFFI ist ein Tüftler, ein Bastler.
So hört er es jedenfalls oft von Menschen,
die beobachten, wie er Gewinde bohrt,
über Stecksystemen grübelt,
abenteuerliche Verschraubungen ersinnt.
Bei alledem ist er aber kein -Abstrakter-
wie er immer wieder betont.
Das Figürliche - und damit der Mensch -
bleibt im Mittelpunkt seines Schaffens.
Ergibt sich Frage vier...
Was ist der Mensch,was der Künstler in der Welt?
Eine von RIFFIs Antworten:
Der Mensch versucht die Welt von Anfang bis Ende zu ergreifen.
Der Künstler schafft darüberhinaus Welt
und übt gleichzeitig Kritik an ihr.
Doch letztlich muss jeder,
der sich mit RIFFIs Arbeiten beschäftigt,
die Antwort selbst finden.
Er, der lieber produziert als reflektiert,
ist nur ungern bereit,
seine Werke zu interpretieren.
Wie auch,
wo ihn doch seine eigenen Wiedersprüche
einen ständigen inneren Zwang verspüren lassen
weiterzumachen,ohne darüber nachzudenken, wieso?
ANJA STAHLER (neustadt journal) | Vita | | 1961 | geboren in Konstanz | | 1978 - 1981 | Ausbildung zum Jünger Gutenbergs in der Schwarzen Kunst | | 1984 | Erste öffentliche Einzelausstellung im Café Noir in Neustadt/Wstr.
mit Monotypien
Gründung des "RiFFizisMUS" | | 1987 | Einzelausstellung im Nachtclub Roxy/Konstanz | | 1991 | Eröffnung der Galerie "Stroh zu Gold"
in Bad Canstadt - Skulpturen & Schmuckobjekte
| | 1992 | Umzug der Galerie "Stroh zu Gold"
nach Stuttgart | | 1992 | Präsentation & Verkauf meiner Objekte
auf der Documenta in Kassel
| | 1994 - 2009 | Auslandsaufenthalt in la Gomera
Gestalltung & Aufbau des Objektgartens
"Los Chorritos"
| | 1998 | Einzelausstellung im Casa Colón/San Sebastian
mit Skulpturen aus Knochen & Metall
| | 2009 | Als Objektkünstler wieder in Deutschland (Pforzheim) tätig |
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